Iz On
11 Jul
Bevor ich Euch dank Jobin von Netinfect ein Interview mit den Söhnen Mannheims spendiere, will ich Euch das neuste Album ‘Iz On’ empfehlen. Auf dem mittlerweile 3. Studioalbum gibts 14 Tracks von 14 Musikern und eine gewohnt breite Stilpallette (Reggae, Soul, Funk, Hip Hop, Rock etc.)! Es sollte also für jeden was dabei sein!
Das Album ist gut durchdacht, fantastisch produziert und hat wunderbare Texte, die dank aufwendigem Booklet (bzw. kompletten schickem Artwork / Digipack) ganz entspannt mitgelesen werden können!
Mein persönlicher Tipp des Monats!
Aber kommen wir jetzt zum Interview mit den Söhnen Mannheims, das lesefaule Menschen sich hier auch als Audio-File runterladen können:
1. INTRO
Henning: Hallo, ich bin der Henning von den Söhnen Mannheims, einer von zahlreichen Sängern.
Xavier: Hallo, ich bin der Xavier von den Söhnen Mannheims, einer von zahlreichen Sängern.
Michael: Hallo, ich bin der Michael von den Söhnen Mannheims. Ich bin der einzige musikalische Leiter.
2. IST DIE STUDIOARBEIT SCHWIERIG WENN MAN IM KOLLEKTIV ARBEITET UND JEDEM EINZELNEN BANDMITGLIED GERECHT WERDEN WILL?
Henning: Ich glaube das wichtigste ist eigentlich, dass man das gut organisieren kann und dass es einen einzigen musikalischen Leiter gibt, der die ganze Session und die Kreativität bündelt und dann auf das Wesentliche fokussiert. Und je mehr Leute man bei einer solchen Session zugegen hat, kann das natürlich Fluch, als auch Segen sein. Fluch insofern, als dass Kommunikation natürlich schwieriger zu organisieren wird, wenn jeder ein bisschen länger zuhören muss, sag ich mal.
Aber Segen insofern, dass soviel Kreativität… und es sind ja unfassbar viele verschiedene Persönlichkeiten und auch viele verschiedene Musikrichtungen vertreten, dass dadurch sich bei jeder Session ein neues Abenteuer musikalischer Art ergibt. Und ich glaube, dass wir es in den letzten zwei Jahren extrem gut hinbekommen haben, da uns auf einen roten Faden in Form der Platte zu einigen und das ist zum großen Teil dem Michael Herberger auch zu verdanken.
3. WIE SCHWIERIG IST DER JOB DES MUSKALISCHEN LEITERS DER SÖHNE MANNHEIMS, MICHAEL?
Michael: Die erste Platte haben wir ja zum Großteil alleine gemacht, aber da kamen schon die ersten Leute mit dazu, da hat jeder sein Stück mit dazu gebracht. Und im Endeffekt ist es bei „NOIZ“ noch mehr gewachsen und jetzt bei „IZ ON“ noch ein Stück mehr. Also, ich glaube, es ist einfach nur so, dass die Kunst darin besteht, das Ganze wachsen zu lassen ohne, sagen wir mal, es wuchern zu lassen. Also ohne jetzt irgendwo das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.
Und da haben wir beide ein Auge drauf, weil wir beide, also Xavier und ich genau wissen, was wichtig ist in den Songs. Im Endeffekt ist halt viel auszusuchen und viel zu entscheiden, aber da das Grundkonzept eigentlich immer vor Augen steht, ist es zwar viel Arbeit, aber relativ einfach.
4. WAS BEDEUTET DER TITEL „IZ ON“ ABGESEHEN VOM WORTSPIEL?
Xavier: Dass es jetzt los geht, jetzt geht’s ab, jetzt geht’s rund. Und so ist halt unser nächstes Buchstabenspiel… ist halt jetzt „IZ ON“. Und jetzt ist diese Krise gerade in vollem Gange, die Leute… es gibt in Griechenland gerade Ausschreitungen und überall passieren Dinge, bei denen man sagt, dass so langsam mal Sand ins Getriebe kommt und wir sind… wir fühlen uns
eigentlich gewappnet, was das angeht. Mit dem Album und mit dem Albumtitel. Das passt wie die Faust aufs Auge.
5. WAS HAT SICH ZWISCHEN „NOIZ“ UND „IZ ON“ BEI EUCH MUSIKALISCH GETAN?
Michael: Wir haben bei „ZION“ so angefangen, dass im Endeffekt Xavier und ich die Demos geschrieben haben und wir einfach mal geschaut haben, was wir bei Zanki im Studio, mit den Leuten die vorbeischauen, einfach mal musikalisch auf die Beine stellen können. Bei „NOIZ“ war das Ganze schon etwas strukturierter und wir haben dann die Band, die es damals schon gab, auch mit ins Studio genommen und versucht, den einen oder anderen Song zusammen zu erarbeiten.
Und bei „IZ ON“ haben wir uns wirklich gezielt Zeit genommen, sind ins Studio nach Münster gefahren um dort, in Klausur, die Songs wirklich so zu erarbeiten, dass auch jeder seine Idee wirklich so einbringen kann, dass wir sicher sein können, dass alles was in dieser Band an kreativem Potenzial steckt auch in dieser Platte landet.

Söhne Mannheims
6. WIE HAT SICH HENNINGS GRUPPENBEITRITT MUSIKALISCH AUF DIE BAND AUSGEWIRKT?
Michael: Also der Henning hat sich so gut, menschlich und musikalisch eingefügt, dass er, könnte man jetzt fast sagen, eigentlich gar nicht auffällt. Er ist genauso wie die anderen auch, also er leistet einfach seinen Beitrag, so wie jeder andere, in dem ganzen kreativen Wahnsinn, der bei uns passiert.
Und da sind wir alle total froh drum und dankbar, aber es ist jetzt nicht so das, worauf die Frage vielleicht anspielen könnte, also passt das? H-Blockx-Sänger und Söhne Mannheims? Das ist totaler Quatsch. Dazu sind wir auch insgesamt schon zu heterogen, sage ich jetzt mal, als dass uns so was aus der Bahn werfen könnte. Ganz im Gegenteil, es hat uns ungemein bereichert.
Xavier: Ich muss auch sagen, dass der Henning schon zur rechten Zeit auch kam. Wir haben gerade jetzt zu dem Album eben auch angefangen, dass nicht nur ich die Texte schreibe, sondern auch alle anderen, die eben singen, auch ihre eigenen Texte schreiben können. Und da muss ich halt sagen, war das schon ein guter Motor, dass der Henning so befreit da auch drauflos geschrieben hat und dass diese Barrieren oder diese Manschetten, oder was auch immer, die sich da befunden haben, dass das für alle einfach nicht so ein Problem war. Er geht dabei voran, was cool war.
Insofern ist es auch für die anderen gut gewesen, dass der Henning da war. Obwohl er jetzt auch nicht so viel auf Deutsch geschrieben hat, aber einfach schon lange seine Gefühle eben zu Papier bringen kann und das war in dem Fall jetzt bei dem neuen Feeling, oder bei dem neuen Schreib-Feeling, das wir jetzt haben, war das, glaube ich, sehr wichtig.
7. HENNING, WIE BIST DU ZUR BAND GEKOMMEN?
Henning: Ausschlaggebend war eigentlich das erste Mal, als der Michael Herberger und ich uns getroffen haben. Wir waren beide zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, wo… das Thema habe ich vergessen. Ich weiß nur, dass ich da sehr engagiert über meine Philosophien geredet habe. (lacht) Und Michael und ich uns da grundsätzlich auf einer Wellenlänge getroffen haben. Irgendwann später wurde ich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, bei einem Projekt namens „Zeichen der Zeit“ mitzumachen.
Und dann war ich eh zufällig in der Gegend und dann kam im Studio, in dem wir aufnahmen, ein Anruf, ob ich nicht Lust hätte, noch den Michael Herberger in Mannheim im Studio zu besuchen und dann bin ich rüber gefahren und da saßen sie dann alle. Und es war gleich eine sehr freundschaftliche Begegnung und man hatte gleich sofort ein gutes Gefühl. Das gibt es ja, man kommt in einen Raum und kann sich irgendwie niederlassen. Und es ging damals um ein Projekt für oder über oder zu Rio Reiser und da haben wir gemeinsam den Song „Mein Name ist Mensch“ aufgenommen. In dem Zusammenhang haben Michael und Xavier mich zur Seite genommen (lacht) und mich gefragt, ob ich Lust hätte bei den Söhnen Mannheims mitzumachen, was ich, ehrlich gesagt, zunächst mal als riesengroßen Witz verstanden habe. Aber es wurde dann schnell deutlich, dass es deren voller Ernst war.
Ich hatte da natürlich sehr, sehr großen Bock drauf und hatte aber im Nachgang, als ich wieder im Zug auf dem Weg zurück nach Hause war, gedacht: „Meine Fresse, da hast du aber ein paar Sänger vor oder neben dir stehen! Kann ich es mit denen überhaupt aufnehmen?“. Über die Jahre war es erstaunlich, was ich von der ganzen Band habe lernen können und anders als ich das von anderen Bands, oder von meiner eigenen Band H-Blockx sonst gewohnt war, geht es nicht mehr nur ausschließlich um Musik und Platten machen und wann man wieder Konzerte spielen kann.
Sondern für mich ist es auch eine sehr, sehr starke Form von Kommunikation auf vielen verschiedenen Ebenen und es ist nach wie vor erstaunlich und ich sage aus vollster Überzeugung, dass es unfassbar ist, wie eine Band über so lange Zeit mit 14 oder 15 Bandmitgliedern existieren kann. In diesem Konglomerat finde ich mich eben sehr gut wieder und fühle mich extrem wohl.
8. WAS WIRD UNS AUF „IZ ON“ ERWARTEN?
Henning: „IZ ON“ als Schlachtruf ist sowohl Motivation, als auch das Bewusstsein, das Veränderungen nicht nur notwendig sind, sondern, dass man sie auch anpackt und dass es halt jetzt auch passieren kann. Das kann man auf alle möglichen Bereiche übertragen. Da werden viele verschiedene Facetten von Gefühlen, von Emotionen angesprochen, aber eben auch von Geschichten oder Dingen, die es in unserer Umgebung gibt, die wir beobachten und dokumentieren.
9. WIE SEHT IHR SELBST DIE ENTWICKLUNG DER BAND WENN IHR DIE DREI BISHERIGEN ALBEN REVUE PASSIEREN LASST?
Michael: Ich glaube einfach, wir hatten in den zehn Jahren, in denen es jetzt die Band gibt, durch die drei Alben, die ungefähr im gleichen Abstand zu einander erschienen sind, die Möglichkeit, sich sowohl menschlich noch mehr aneinander zu gewöhnen, aber vor allen Dingen auch musikalisch. Zumindest geht es mir, als einem der Produzenten der Platte so, dass ich jetzt weiß, wen muss ich da wie, sagen wir mal, so coachen, damit er das an Output bringt, was ich eigentlich haben möchte. Und das ist ganz toll. Bei einigen Leuten, wie beim Kosho zum Beispiel, muss ich schon fast gar nichts mehr sagen.
Der kommt mit seiner Gitarre und ich spiele ihm vor, was jetzt im Moment anliegt und nach 20 Minuten kann er eigentlich schon wieder gehen. Er muss dann zwar noch mal kommen (lacht) aber zumindest mal ist das exemplarisch dafür, dass man jetzt zehn Jahre lang zusammengerückt ist und einfach weiß, wie der andere tickt. Und das tut der Platte echt gut.
10. WAS SIND DIE THEMEN AUF „IZ ON“?
Xavier: Alles was Deutschland 2009 so bewegen kann und könnte, das ist auf jeden Fall auch auf der Platte drauf, würde ich mal sagen. Ob das die Beziehung ist, ob das die Beziehungskrise ist (lacht), es ist, wie soll ich sagen, es ist ein Querschnitt durch emotionales Deutschland.
11. WELCHE MOTIVATION STECKT HINTER DEN AUSSAGEKRÄFTIGEN TEXTEN VON „IZ ON“?
Henning: Ich glaube, dass es heutzutage extrem wichtig ist Stellung zu beziehen und auch Chancen zu nutzen, die Menschen um uns herum wach zu rütteln. Ich glaube, dass kann man in dem man bewusst halt eben auch Zeichen setzt und Wut richtig eingesetzt, kann eine Form der Emotion sein, die Leute im direkten Umfeld oder auch Leute mit denen wir was zu tun haben, aufmerksam macht, zunächst mal.
Es gibt verschiedene Motivationen für Kreativität und ich glaube, dass Krisen, menschliche, persönliche, aber auch gesellschaftliche Krisen, immer ein guter Ausgangspunkt sind, weil sie die Möglichkeit eines Neuanfangs bieten. Ich habe das Gefühl, dass wir dermaßen in einer Zeit von Gleichgültigkeit leben, in der Wörter wie Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein, politisches Bewusstsein, aber auch die Finanzkrise und wie wir uns aus dieser Krise herausentwickeln können, nicht benutzt weil man wirklich etwas verändern will, sondern es sind Schlagwörter, aus den Lobbyisten versuchen, für sich immer wieder persönliche Vorteile zu ziehen.
Und da sind wir als Musiker oder Kreative die größte außerparlamentarische Opposition, in der wir wirklich wieder Stellung beziehen können und das ist in keiner Weise negativ oder zerstörerisch, sondern es ist, im Gegenteil, wichtig, dass wir Stellung beziehen.
12. FUSST DIE WUT IN MANCHEN TEXTEN LETZTLICH AUF EURER MENSCHENLIEBE?
Xavier: Ich glaube, dass Du, wenn Du von Deiner Mutter oder Deinem Vater ausgeschimpft wirst, dann merkst du ja… wenn es jetzt nicht gerade schlagen und völliges Ausflippen ist, sondern dass sich jemand Sorgen macht… merkt dass dieser Mensch jetzt so laut wird und schreit, weil er Angst um Dein Leben hatte oder weil er Angst hatte, dass Du etwas tust was Du bereust, oder so.
So ist es halt im Endeffekt bei uns auch. Wenn diese Wut rauskommt, ist es meistens schon die Wut, die aufwecken soll, die wachrütteln soll, die Denkanstöße gibt. Unsere Wut kanalisiert sich ja eben in diesen Lieder.
13. HABEN DIE SÖHNE MANNHEIMS EINEN LEHRAUFTRAG IHREN ZUHÖRERN GEGENÜBER?
Henning: Ich glaube auf gar keinen Fall, dass man als Künstler oder als Texter einen Lehrauftrag hat. Ganz im Gegenteil. Ich glaube es ist wichtig, dass man frei von jeglichen Schemata denken kann und vor allem ist es wichtig, dass wir unser ehrliches Bild von Dingen schildern können. Und natürlich, das im Rahmen einer gewissen Verantwortung, die man trägt.
Das sollte man immer im Blick haben. Aber man kann, glaube ich, uns als Musiker eher mit einem Kabarettisten oder ähnlichem vergleichen, der halt eben Wahrheiten aufdeckt, schamlos aufdeckt und mit dem Finger auf Dinge zeigt. Einfach um Aufmerksamkeit zu erregen und ich glaube, das ist auch eine große Verantwortung die wir als Musiker haben.
Xavier: Der Balsam bei einem Comedian, oder bei einem Kabarettisten ist, dass der Witz dabei ist. Bei uns ist es vielleicht eine Prise Witz, aber unser Balsam ist halt Melodie oder Kompositionen, die eben diese Wahrheit… Wie soll man sagen? Die eine Berechtigung darstellen, diese Wahrheit zu transportieren. Oder diese mögliche Wahrheit. Man merkt ja, wenn jemand nur so daherlabert, auch wenn es die krasseste Wahrheit ist, er das aber nicht in guten Worten, sondern wie auch immer, plump, holprig… Dann kommt man nicht weiter und will das auch nicht annehmen. Unsere Mittel sind vielleicht mit die besten Mittel, die man haben kann, um Leuten was mitzugeben oder sich mitzuteilen.
14. IST „IZ ON“ DAS BISLANG POLITISCHSTE ALBUM DER SÖHNE MANNHEIMS?
Michael: Also ich glaube grundsätzlich, dass wir im Endeffekt nur auf die Zeichen der Zeit eingehen, was „IZ ON“ angeht.
Henning: Ich find es auch ganz wichtig, dass über Politik nicht immer so gesprochen wird, als wäre es etwas, was uns nichts angehen würde. Ich bemerke das immer wieder, auch an mir selber, dass ich mit Politik immer Berlin oder Hauptstadt, Regierung und den ganzen Scheiß verbinde. Wir sind grundsätzlich in der Lage unsere Meinung sagen zu können und dafür nicht gleich unbedingt gleich jedes Mal verprügelt zu werden oder unser Leben aufs Spiel setzen zu müssen.
Das passiert auch, auch in Deutschland, aber grundsätzlich haben wir eine Stimme und das schlimmste Verbrechen ist eigentlich, dass wir sie verlernt haben zu nutzen. Politik, glaube ich, kann alles sein wenn man eine Vision äußert, wie jeder für sich Dinge besser machen kann oder Wahrheiten aufdeckt oder einfach mit dem Finger auf Dinge zeigt, nicht wegschaut. Und das schönste ist glaube ich, wenn ein Lied oder Musik zu einem Sprachrohr für mehrere Menschen wird, überparteilich wird und Musik Grenzen überwindet, Menschen miteinander verbindet.
Und plötzlich das für jeden etwas Bestimmtes bedeutet, das ist halt die politische Kraft, die Lieder haben können. Insofern, denke ich, ist dieses Album hochpolitisch und der Titel „IZ ON“ bedeutet für mich auch: „Leute, seht zu, dass jeder einzelne Verantwortung hat und dass es nicht darum geht, sagen zu können, ich kann ja eh nichts machen oder eh nichts ausrichten.“ Jeder Move macht was aus.
15. ÖFFNET DIE MITGLIEDSCHAFT BEI DEN SÖHNEN MANNHEIMS AUCH DEN EIGENEN HORIZONT FÜR EUCH?
Henning: Ich glaube das Schöne ist, für mich persönlich, dass ich das Gefühl habe, dass ich mit gutem Gewissen nicht nur inspiriert werde mir neue Gedanken machen zu können und Visionen zu entwickeln, sondern sie auch ohne jede Form von Angst oder Bendenken, müsste ich eigentlich eher sagen, mitteilen zu können. Und die werden sehr, sehr ehrlich gespiegelt und wahrgenommen oder kommentiert und das ist ein extrem geiler Austausch von Ideen, finde ich.
16. WIE NEHMEN DIE SÖHNE MANNHEIMS DIE DOMINANZ VON XAVIER NAIDOO WAHR? GIBT ES NEID ODER EIFERSUCHT?
Michael: Na ja, ohne die Dominanz wären wir jetzt alle nicht da wo wir jetzt sind. Da müssen wir uns alle mal ganz energisch an die Nase packen. Also wenn da irgendjemand ein Problem mit haben sollte, was ich nicht weiß, dann sollte er mal in sich gehen und sich überlegen warum er denn so denkt wie er denkt. Aber ich wüsste jetzt auch nicht, dass irgendjemand ein Problem damit hätte, denn dann wäre er ganz schön doof.
Henning: Jetzt mal abgesehen von der öffentlichen Wahrnehmung ist es für mich als Musiker, jetzt nicht nur als Sänger in Bezug auf Xavier, sondern auch… Die ganze Band besteht ja aus unglaublichen Musikern, die in Deutschland wirklich ihresgleichen suchen. Das ist einfach ein Niveau auf dem es eine unglaublich große Herausforderung darstellt, halt eben auch das Beste von sich selbst abzurufen. Und das steht irgendwo immer im Raum und gerade Leute wie der Michael Herberger, oder ein Florian Sitzmann, aber auch Xavier, die haben eine unglaubliche Disziplin was die Qualität von Arbeit grundsätzlich angeht.
Und das ist dann in gewisser Weise auch immer ein Vorbild, was dringend notwendig ist um so einen großen Haufen am Laufen zu halten. Insofern nehme ich das, sowohl früher als Außenstehender und jetzt auch als Teil der Gruppe, als sehr, sehr positiv wahr.
17. WERDEN IM NEUEN SONG „DIE BETROFFENEN GEBIETE“ BESTIMMTE GEOGRAFISCHE REGIONEN ODER DIE SEELEN UND HERZEN VON MENSCHEN BENANNT?
Xavier: Also, da muss man natürlich sagen, da haben wir wieder eins von den Bildern oder den Geschichten, die man jetzt, wenn man es hört, nicht ganz verstehen wird. Ich hatte, als wir angefangen haben es zu schreiben, gesagt, ich stelle mir jetzt gerade vor, ich bin eins von ein paar Kindern, die in einem Asylantenheim groß werden, mit anderen zusammen und auch da älter werden und so. Und, ja, es sind Jungen und Mädchen und man ist halt immer in diesem Asylantenheim und vielleicht verlieben die sich auch mal ineinander und dann hat man halt Beziehungen zu diesen Menschen.
Mal kommen Menschen aus Ex-Jugoslawien und aus allen Kriegsregionen oder was auch immer und dann ist man halt befreundet, erfährt aber, dass jetzt eines dieser Mädchen, in das man vielleicht mal verknallt war sagt: „Ich muss jetzt zurück in mein Land.“ Was weiß ich, nach Somalia, keine Ahnung. Dann schockt dich das halt, denn du weißt ja, wie es in diesen Gebieten ist. Also sie hinterlässt betroffene Gebiete in deinem Innersten, aber sie geht auch in betroffene Gebiete. Deswegen also der Dualismus in der Geschichte.
18. INWIEFERN EMPFINDET MAN DAS KÄMPFERISCHE, MUTMACHENDE ELEMENT IN DER ERSTEN SINGLE „IZ ON“ ALS GUT SITUIERTER GESCHÄFTSMANN NOCH SELBST, XAVIER?
Xavier: Ich glaube du wirst dieses Kämpferische unter vielen, auch noch so gut situierten Unternehmern in Deutschland weiterhin finden, weil meistens baut man sich das aus dem Nichts, man muss auch weiterhin kämpfen, dass das erhalten bleibt und es schenkt dir ja auch in den meisten Ländern keiner was. Alleine nur das Steuerproblem in Deutschland, da kannst du… da hast du genug Energie, oder sagen wir mal genug Leid um Songs zu schreiben.Aber das ist jetzt natürlich ein bisschen polemisch.
Henning: Sich zu motivieren ist keine Frage von Geld oder Wohlstand oder sozialem Status. Ich habe es jetzt in den letzten zwei Jahren bei den Söhnen Mannheims immer wieder erlebt, dass es unglaublich wichtig ist einen Spielführer zu haben, der auch mal über den Platz läuft und schreit: „Leute, jetzt packt mit an!“. Gerade bei den Proben zu „MTV Unplugged“. Das war eine der intensivsten Erfahrungen, die ich in Bezug auf Musik und gemeinsam Musikmachen je erlebt habe. Weil wir da unglaublich viel geprobt haben, aber viel Zeit eben auch miteinander verbracht haben und auch sehr, sehr… Von der Motivation her sehr tiefe
Phasen erlebt haben. Also schlecht motivierte Phasen erlebt haben, also ich zumindest.
Und da ist es unglaublich wichtig, in dieser Achterbahnfahrt zu wissen, dass es eben auch wieder nach oben gehen kann. Sich dessen bewusst zu werden und sich das immer wieder vor Augen zu halten, ist etwas, was gerade für uns als Musiker ein wichtiges Element ist, dass wir ständig in Extremen leben. Diese Mitte, die wir als guter Bürger suchen sollten, dass ist bei uns nicht möglich. Insofern sind wir, glaube ich, Spezialisten was Motivation angeht und über zehn Jahre Bandgeschichte stehen eigentlich dafür, dass wir uns darin ganz gut auskennen.
19. WOLLT IHR MIT DER ZWEITEN SINGLE „ICH WOLLT NUR DEINE STIMME HÖRN“ GANZ BEWUSST MAL FÜR EINEN MOMENT VOM POLITISCHEN GRUNDTON DES ALBUMS ABLENKEN?
Michael: Ich glaube einfach, dass genau so nen Song die Platte auch gebraucht hat. Auch als Gegenpol vielleicht zu „Kraft unsres Amtes“. Also im Endeffekt spiegelt der Song oder wie viele andere Songs einfach unser ganzes Gefühlsspektrum wieder. Nicht nur von uns als Band, sondern von uns als Menschen. Da gehört alles dazu, eben auch dieser Aspekt der Liebe, des tiefen Gefühls zu einem anderen Menschen oder auch das Gefühl der Wut, oder Angst, oder was auch alles als Antriebsfeder für einen guten Song einfach herhalten kann. Insofern braucht eine Söhne Mannheims-Platte auf jeden Fall einen solchen Song.
Henning: Für mich ist es auch der absolute Lieblingssong, ehrlich gesagt, weil es ist eine Form ein solches Thema zu verpacken, wie man es nicht erwarten würde. Es ist so ein bisschen wie wenn Bruce Willis in „Die Hard“ am Ende plötzlich Zärtlichkeit zeigt. Und das kommt auf eine Art und Weise rüber, die eine enorme Kraft hat, finde ich. Das ist ein Monolog, über das was einem wirklich wichtig ist und vor allem in Zeiten, in denen man das häufig nicht zeigen kann. Aber das ist für mich ein Lichtblick, der für mich in meinem Leben ganz wichtig ist.
20. WIESO DENKST DU, DASS MAN HEUTE KEINE GEFÜHLE ZEIGEN KANN?
Henning: Wir haben jetzt viel über politische Inhalte gesprochen, oder wie wichtig es ist auf Situationen aufmerksam zu machen. Das sind ja auch Themen, die einen kreativen Menschen häufig mal einsam machen. Auch dieses extreme Leben, auf Tour sein zu müssen oder zu können, aber eigentlich keine wirkliche Routine im Leben zu haben, sondern ständig auf Achse zu sein, oder plötzlich mal absolut im Mittelpunkt des Interesses zu stehen und dann plötzlich, nach einem Konzert, wieder ganz alleine mit sich im Hotelzimmer zu sein oder ähnliches.
Irgendwo habe ich als Künstler gelernt darin für mich eine Mitte zu finden, eine Routine rein zu bringen. Es gibt nur wenige Menschen, denen man gegenüber dann auch gewisse Schwächen zeigen kann und ganz ehrlich von wahren Gefühlen reden kann. Und diesem Menschen gegenüber so vertraut, dass diese Gefühle gut aufgehoben sind. Das kann man sagen, in dem man sagt: „Du bist die schönste Blume, die auf dieser Wiese wächst.“ Oder „ich liebe Dich“. Aber alleine der Satz „ich hab dich lieb“ hat für mich so wahnsinnig Kraft, weil er auf der einen Seite so beliebig ist, weil man das leicht mal sagen kann. Aber in diesem Zusammenhang kommt er mit so viel Kraft rüber, dass es im Gesamtzusammenhang dieser Platte ein sensationelles Statement ist.
21. WAS BEDEUTET ES EUCH MIT BEIDEN BANDS DEMNÄCHST IN BERLIN ZU SPIELEN?
Xavier: Man ist schon gerne in Berlin. Berlin hat echt viel zu bieten. Die Waldbühne ist halt auch ein einzigartiger Platz – „if you can make it there, you can make it anywhere“. (lacht)
Henning: Und Berlin ist einfach auch die Hauptstadt von Straßenmusik. Unglaublich viele Musiker leben halt dort und, wie der Volksmund sagt, als Musiker verdient man nicht so wahnsinnig viel Geld. Ich glaube das Sprichwort geht ein bisschen anders, aber vom Sinn her ist es ungefähr das Gleiche. Deshalb gibt es eben viele Musiker dort, die in Kneipen oder auf Straßen spielen und das ist nicht nur eine Hommage, sondern auch ein Drang „back to the roots“, so wie ich das verstehe. Zu zeigen, dass es letzten Endes immer wieder darum geht Musik zu machen und nicht immer nur gezwungenermaßen in den großen Arenen zu spielen – wenn man es kann.
22. HABT IHR SCHON MAL VOR EINEM SO GROSSEN PUBLIKUM WIE IN DER WALDBÜHNE GESPIELT? SEID IHR AUFGEREGT?
Michael: Vor einem so großen Publikum, beim Xavier zumindest auch in einer anderen, neuen Formation und bei den Söhnen halt auch ein Stück weit als Auftakt zu unserem Album-Release, da ist man doch etwas aufgeregter als jetzt mitten in einer , in Anführungszeichen, mitten in einer normalen Tour. Das ist, glaube ich, ganz normal. Bei mir hat es immer was damit zu tun, je nach dem wie gut man, oder ich, beziehungsweise wir alle vorbereitet sind und wie viel dann schief gehen könnte. Je mehr da im Spiel ist, desto aufgeregter bin ich auch.
23. STELLEN GRÖSSENORDNUNGEN WIE AUF DER WALBÜHNE HERAUSFORDERUNGEN FÜR EUCH ALS MUSIKER DAR?
Henning: Ich glaube bei so großen Geschichten ist die Schwierigkeit immer die, dass man diesen Bogen spannen muss zwischen der Bühne und dem Publikum. Das macht gute Bands oder gute Musiker wirklich aus, dass man wirklich große Bühnen auch bespielen kann. Das hat nicht nur was mit dem Überwinden von Nervosität oder Lampenfieber zu tun, sondern tatsächlich trotz einer Menge von weit über 15.000 eine Atmosphäre zu schaffen, die irgendwo doch heimelig und privat sein kann. (lacht) So komisch das auch klingen mag. Darum geht es eigentlich.
Und ich glaube, wir sind in der glücklichen Lage, das man nicht unbedingt wahnsinnig viel Pyrotechnik und explodierende Hubschrauber braucht, um von dem nichtvorhanden sein von Qualität abzulenken. Die Konzerte, die wir in ähnlichen Kapazitäten, oder ähnlichen Größenordnungen gemacht haben, die haben halt gezeigt, dass ein Söhne Mannheims-Konzert immer in irgendeiner Form eben auch was sehr privates haben kann.
24. IST DAS KONZERT AUF DER WALDBÜHNE EINE ART GENERALPROBE FÜR DIE „IZ ON“-TOUR?
Michael: Die Tour findet ja erst im Oktober, also ab Anfang, Mitte Oktober statt. Also so richtig als Tourauftakt kann man das eigentlich nicht sehen.
25. GIBT ES EIN SHOW-KONZEPT FÜR DIE „IZ ON“-TOUR?
Michael: Wir haben uns extra einen Choreographen geholt, der speziell gerade den Henning coacht, was seine Tanzvarianten angeht bei den Söhnen und… Nein, Quatsch. Natürlich haben wir da… also wir werden uns auf das konzentrieren was am wichtigsten ist für uns und das ist Musik. Und das möglichst authentisch und mit dem Feeling rüberzubringen, das uns ausmacht. Also die Atmosphäre zu generieren, die im Endeffekt diese Band, sowohl Xavier, als auch Söhne generieren kann.
Xavier: Wir machen keine Show, wir sind die Show.
Website: soehne-mannheims.de
Fotocredits: Thommy Photography
Interview: Netinfect


